Es begann als kleiner Versuch: ein Wochenende ohne Bildschirm, eine Art Mini-Entzug, um zu sehen, ob das Geklingel am Abend wirklich noch wichtig war. Was daraus wurde, überrascht mich noch immer. Heute haben wir in unserer Familie ein monatliches Medienfasten eingeführt — nicht als moralische Vorschrift, sondern als Einladung zur Neugier. Und jedes Mal, wenn wir die Bildschirme für 48 Stunden beiseitelegen, verändert sich etwas: Die Stimmung wird ruhiger, die Fragen werden lauter.

Warum ein monatliches Medienfasten — und warum gerade für Familien?

Wir leben in einer Zeit, in der Informationen ständig auf uns einprasseln. Für Erwachsene ist das schon anstrengend, für Kinder noch viel mehr. Ich habe beobachtet, wie Angst — vor dem Verpassen, vor negativen Nachrichten, vor gesellschaftlicher Komplexität — oft die Art ersetzt hat, wie wir miteinander reden. Ein monatliches Medienfasten schafft dagegen Raum: für Langsamkeit, für Nachfragen, für echte Gespräche. Es ist kein technologischer Zwang, sondern ein Ritual, das wieder Lust auf Entdecken weckt.

In unserer Familie reden wir weniger über die Angst vor dem, was wir verpassen könnten, und mehr darüber, was wir entdecken wollen. Anstatt täglich in den Newsfeeds zu versinken, stellen wir uns Fragen wie: Was würden wir an einem regnerischen Nachmittag erforschen? Welche Geschichten haben Oma und Opa, die wir noch nicht kennen? Welche kleinen Projekte könnten wir gemeinsam anpacken?

Was passiert konkret — und was verändert sich?

Beim ersten Medienfasten gab es Widerstand: Nachrichten, Serien, Social Media — alles fehlte auf einmal. Doch nach ein, zwei Tagen veränderte sich die Aufmerksamkeit. Kinder spielten tiefer, Erwachsene lasen wieder Bücher, und wir kochten zusammen ohne nebenbei zu scrollen. Es war, als ob die Welt um uns herum wieder aufhören würde, gleichzeitig laut zu sein.

Konkrete Veränderungen, die ich beobachtet habe:

  • Mehr Gespräche: Kinder erzählen nicht nur, was sie gesehen haben, sondern erinnern sich an Erlebnisse und stellen Fragen.
  • Weniger Angst: Die permanente Konfrontation mit Negativmeldungen sinkt, und damit die allgemeine Unruhe.
  • Wiederkehrende Rituale: Lesestunden, Spaziergänge ohne Podcast, Brettspiele am Abend.
  • Mehr Neugier: Kleine Projekte beginnen — ein Experiment mit Lavendel, ein Zeichenbuch, eine gemeinsame Podcast-Folge mit Oma.

Wie ein solches Medienfasten praktisch aussieht

Wir haben Regeln, die flexibel sind. Diese Struktur hilft, Erwartungsdruck zu reduzieren und das Fasten machbar zu machen:

  • Dauer: 48 Stunden, von Samstag 9 Uhr bis Montag 9 Uhr — genug Zeit, um Routinen zu durchbrechen.
  • Ausnahmen: Notfälle und berufliche Pflichten sind erlaubt. Niemand soll sich durch das Ritual gestresst fühlen.
  • Keine ständige Ersetzung: Wir ersetzen Bildschirme nicht automatisch durch andere Ablenkungen. Ziel ist nicht, sie mit neuer Hektik zu füllen, sondern Raum für Entdeckung zu schaffen.
  • Vorbereitungen: Bücher bereitlegen, Bastelmaterial, eine Playlist mit ruhiger Musik, Vorräte für gemeinsames Kochen.

Ideen und Aktivitäten für die fasten-Zeit

Das Wichtigste: Aktivitäten sollen Neugier wecken, nicht belehren. Hier ein paar Dinge, die bei uns gut funktionierten:

  • Fenster- und Straßengeschichten: Wir schauen aus dem Fenster und erfinden Geschichten zu den Menschen, die wir sehen.
  • Familien-Miniprojekte: Ein kleines Gartenbeet, ein Fotoalbum beginnen, eine Kurzgeschichte schreiben und gemeinsam illustrieren.
  • Spaziergänge mit Fragen: „Was fällt dir heute auf, das du gestern übersehen hast?“
  • Kochen als Forschung: Ein Rezept aus einem anderen Land ausprobieren, über die Zutaten und ihre Herkunft sprechen.
  • Analoges Spielen: Schach, Memory, Bauklötze, Rollenspiele — je weniger Regeln, desto besser für Kreativität.

Tipps, damit es nicht zur bloßen Show wird

Einmal ausprobieren ist schön, aber die Kunst liegt im Wiederholen. Ich gebe dir, was wir gelernt haben:

  • Keine Schuldgefühle: Wenn jemand ein kleines Handy verwendet — zähneputzen mit einem Timer-Video, zum Beispiel — ist das okay. Es geht nicht um Perfektion.
  • Gemeinsame Regeln verfassen: Lass alle mitentscheiden. Wenn Kinder Regeln mitgestalten, akzeptieren sie sie leichter.
  • Ritualisieren: Ein Klangsignal, eine Kerze oder eine kleine Karte, die das Fasten einleitet, schafft Wiedererkennungswert.
  • Dokumentieren: Wir schreiben nach jedem Fasten auf, was wir Neues erlebt oder entdeckt haben. Das fördert die Erinnerung und die Freude auf das nächste Mal.

Wann es schwierig wird — und wie man damit umgeht

Natürlich gibt es Momente, in denen das Fasten an Grenzen stößt: ein schwieriges Arbeitspensum, Termine, die Online-Koordination erfordern, oder einfach das Gefühl, ausgeschlossen zu sein. Dann helfen zwei Dinge besonders:

  • Flexibilität: Das Fasten ist kein Dogma. Wenn berufliche Pflichten digitale Präsenz fordern, planen wir ein Ausgleichswochenende.
  • Offener Dialog: Reden, warum gerade jetzt digitale Verfügbarkeit erforderlich ist. Transparenz reduziert Ärger und Missverständnisse.

Marken und Werkzeuge, die das Fasten unterstützen können

Manchmal sind kleine Hilfsmittel nützlich. Wir haben gute Erfahrungen mit analogen Alternativen gemacht: schöne Notizbücher von Moleskine, kindgerechte Brettspiele von HABA, echte Karten oder Fotoalben statt digitaler Slideshows. Für die Vorbereitung von Aktivitäten nutze ich gern Kochbücher wie „Jamies 15-Minuten-Küche“ (für einfache Gerichte) oder lokale Bibliotheksausleihen — das spart Geld und fördert die Entdeckung.

Was ich am meisten schätze

Es ist nicht die Technikfeindlichkeit, die mich beim Medienfasten reizt, sondern die Umkehrung des Fokus: Weniger auf den Bildschirm gerichtet zu sein bedeutet, mehr aufeinander zu achten. Kinder lernen, Fragen zu stellen, statt nur Antworten zu konsumieren. Erwachsene erleben, dass Ungewissheit nicht zwingend bedrohlich ist — oft ist sie die Saat für Neugier.

Ich lade dich ein, es einmal auszuprobieren — nicht als Test, ob du „digital genug“ verzichten kannst, sondern als Einladung zur Entdeckung. Ein Wochenende im Monat ohne Medien kann die Atmosphäre in einer Familie auf subtile, aber nachhaltige Weise verändern. Und vielleicht entdeckst du, wie viel leichter die Welt wird, wenn man ihr nicht ständig mit Angst begegnet, sondern mit der Frage: Was wollten wir schon immer lernen?